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Man mag diese Debatte ja belächeln, weil sie einem schlichtweg peripher tangieren mag, aber als ich dieses Bild – ob das nun ein schlechter Werbegag ist oder nicht, sei mal dahingestellt – gesehen hab, war mir das genug.

Leidiges Thema Sexismus, ausgelöst von einem 67-jährigen Politiker, dem alten Brüderle. Siebenundsechzig und vermutlich hatte er, schließlich stand er meines Wissens nach auch noch an einer Bar (skandalös!). Darf man also nun von einem Menschen, der in einer Generation, in der das „Heimchen am Herd“ gang und gäbe war, aufgewachsen ist, auf die heutige Zeit schließen? Freilich nicht.

Denn wenn eine generelle Sexismus-Debatte ausbricht, darf man definitiv nicht den ökologischen Fehlschluss begehen. Natürlich gibt es in der älteren Riege, die sowohl Wirtschaft als auch Politik größtenteils dominiert, eine andere Einstellung gegenüber Frauen. Muttern hat gekocht, gewaschen, geputzt. Aber meine Mutter ist fast immer berufstätig gewesen und ich habe großen Respekt vor ihren Leistungen. Meine Chefin ist eine Frau, aber warum sollte mich das jucken?

Natürlich erfolgt solch eine flächendeckende gesellschaftliche Entwicklung nicht über Nacht, sondern erfordert Zeit. Generationen. In Anbetracht der Jahrtausende Menschheitsgeschichte erscheinen 50 Jahre geradezu lächerlich kurz. Je mehr Frauen in die Berufswelt dringen, desto unvermeidlicher wird deren Aufstieg in die Führungsetage.

Das soll natürlich nicht heißen, dass ich ein solches Verhalten generell gutheißen würde, aber ich empöre mich nicht nur darüber. Ernsthafte Kritik hege ich allerdings gegen die lächerliche Notlösung des „Betreuungsgeldes“, weil die Bundesregierung es verschlampt hat, den gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz umzusetzen. Das sorgt für eine weitere Verknappung am Arbeitsmarkt und blockiert die bevorzugenswerte Entwicklung von Frauen in Unternehmen.

Also finde ich es geradezu lächerlich, da einen zu großen Wirbel darum zu machen: In 50 Jahren – zwei Generationen – wurde viel erreicht, wenn man sich vor Augen führt dass solche tiefschürfenden Gesinnungswandel zum Großteil durch das prägende Rollenverhältnis von Mutter und Vater oder Erziehung in der Kindes-/Jugendphase hervorgerufen werden.

Vielleicht fehlt mir auch nur der Blick von der anderen Seite der Medaille, aber für mich ist das ganze Thema nur wieder ein Fall von typisch deutschen Aufbauschen von einer Mücke zum Elefanten, damit man mal wieder was Anständiges zum Aufregen hat. In diesem, Sinne: Bis zur nächsten Mücke.

41 Millionen Exemplare. Die Rede ist von der Bild-Zeitung, die gestern zum 60. Jubiläum so viele Zeitungen unaufgefordert in so viele Briefkästen steckte. Die Zahl orientiert sich an dem angestrebten Durchschnitts-IQ der Leser. Also ohne die Millionen natürlich. Erstmal Gratulation, dass man mit Schmierenjournalismus so lange überleben kann, solange die Zeitung nur schön bunt ist, die Schrift und die Titten so groß sind, dass jeder Opa, der seine Fahrtüchtigkeit schon lange wegen Kurzsichtigkeit eingebüßt hat, aus einem halben Kilometer Entfernung einen starren Hals bekommt. In jedem journalistischen Meisterwerk müssen natürlich Möpse sein. Und es ist sehr wichtig, sein Repertoire ständig zu erweitern. So gibt es in der Bild jetzt auch Totenanzeigen. Und wie es sich für anständig recherchierten Journalismus gehört, macht man dabei natürlich niemals Fehler. Ich spiele auf den Fall von Hannah Wolf an, die von der Bild-Zeitung verwechselt und fälschlicherweise für tot erklärt wurde. Man veröffentliche mir nichts, dir nichts ein Foto von ihr. Sie wehrte sich in einem offenen Brief und wurde daraufhin vom jetzt-Magazin des SZ interviewt. Eine Entschuldigung habe sie laut Spiegel online lange nicht erhalten. Ich war lange am überlegen, wie ich die Zeitung am besten einen sinnvollen Zweck zuführe. Leider gab es bei uns in letzter Zeit keinen frischen Fisch, den man hätte einpacken können und das Klopapier war auch nicht alle. Aber bei dem Wetter ist es wohl am praktischten, einen Hut zu bauen und mit dem Rest den Ofen zu befeuern.

Und wo wir gerade bei Sachen für lau sind: Da war doch wieder so ein Welttag des Buches. Ich weiß, ist ein wenig her, aber es ist mir erst ins Auge gesprungen als meine Mutter neulich mit so einem gratis-Buch hier auftauchte. Find ich gut, dass man in Deutschland 1.000.000 Bücher umsonst verteilt. Schließlich haben die Leute in einem der wohlhabendsten Länder Europas Almosen echt nötig. Und die Initiative „Book Aid International“ schickt nach eigenen Angaben (Jahresbericht, Seite 10/11) nur eine halbe Million Bücher nach Afrika. Das nenne ich fair. Schließlich können dort auch nur soviele Menschen lesen, richtig? Ich habe absolut kein Problem damit, wenn diese Bücher nach Afrika gingen und ich für ein Exemplar bezahle.

Aber zum Schluss noch etwas Aufheiterndes, dass ich neulich auf Facebook entdeckt habe.

Nein, ich rede nicht über die ganzen Deutschland-Fanartikel, die die halbe Bevölkerung rumschleppt oder die Begeisterung für die Nationalmannschaft. Sondern dass man sich darüber aufregt. Sagt mal, ICH GLAUB ES HAKT WOHL?

Sich über so eine bescheuerte Kleinigkeit aufzuregen ist sowas von deutsch, dass die Ironie schon fast traurig ist. Habt ihr denn nichts besseres zu tun? Sind eure anderen Probleme alle langweilig geworden? Anstatt lächerlicherweise auf vermeintlichem Nationalismus rumzutreten könntet ihr doch lieber den Zeigefinger auf die Vorbilddemokratie Ukraine richten. Die haben nämlich echte Probleme! Sogar die werte Frau Merkel, als mächtigste Frau des Landes sehr wählerisch mit harten Worten, bezeichnete die Ukraine als Diktatur. Also hört auf mit diesem Firlefanz. Oder ist euch Kritik an fremden Ländern auch zu nationalistisch?

Ich trage zwar auch keine Fahne mit mir rum, finde so etwas aber in Ordnung. Das ist seine Sache und er wird dadurch nicht zum Nationalist. In dieser Phase, in der Nationen um den Sieg eifern, ist es vollkommen in Ordnung, Solidarität mit der Leistung des zugehörigen Teams zu zeigen. Eine Form der Anerkennung. Wo wäre der Fortschritt ohne Anreiz des Triumphes?

Auch ich hätte am liebsten einen europäischen oder Weltstaat. Aber momentan haben wir nicht einmal die Voraussetzungen dafür: Eine Weltnation. Und die würde viele Völker ein großes Stück Diversität kosten. Sprachen, Gesten, Sitten, Gepflogenheiten, usw.

Da wird mal wieder eine aus einer Mücke ein Elefant gemacht und diese Kleinkariertheit macht euch deutscher als die ganzen Fans. Ihr merkt es nur nicht😉

Evolution der Spiele

Ein paar Wochen vergangen und schon hau ich wieder so einen Klopper raus…

Heute falle ich mal etwas vom Thema ab, aber ich wollte das einfach mal zur Sprache bringen. Kennt ihr das auch, dass ihr bei Serien eher den Charakter als den Schauspieler identifizieren könnt als bei Spielfilmen? Vor allem bei weniger bekannten Darstellern. Man baut aufgrund der längeren Sendezeit, die eine Serie gegenüber einem Spielfilm eine stärkere Bindung auf, Abläufe können detaillierter und ausführlicher dargebracht werden. Kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Thema.

Denn diesen Effekt gibt es auch bei Videospielen. Nicht bei den seelenlosen „Call of Duty“s dieser Welt, aber bei den Spielen, die mit viel Herzblut der Entwickler geschaffen worden sind. Beispiele dafür sind die GTA-Serie (besonders der vierte Teil) oder die Mass Effect Reihe, die ich nebenbei vor kurzem durchgespielt habe. Ich umreiße mal kurz das Spiel: Durch von einer ausgestorbenen Zivilisation zurückgelassene Technik (namensgebender Masseneffekt)  ist das überlichtschnelle Reisen im Weltraum leicht geworden und die Menschheit integriert sich gerade in eine Gesellschaft von mehreren fortgeschrittenen Alien-Zivilisationen. Man verkörpert einen menschlichen Marine, Commander Shepard, und muss dann ein übermächtiges Maschinenvolk davon abhalten, sämtliches organisches Leben zu vernichten. Gut, erweckt noch nicht unbedingt überwältigende Begeisterung, aber was das Spiel so besonders macht, ist sein Prinzip und seine Erzählweise. Man hat Weggefährten, aber die schießen nicht nur, sondern reden auch. Sehr viel, denn sie haben detaillierte Hintergrundgeschichten und mitunter eine schwierige Vergangenheit und Probleme, die sie menschlich wirken lassen und den Spieler eine starke Bindung. Mitunter sogar eine stärkere Bindung als zum Protagonisten selber, über den man bei weitem nicht so viel erfährt wie über seine Mitstreiter. Jeder von ihnen hat bis zum finalen Teil eine persönliche Aufgabe für Shepard, die er erfüllen kann. Und je nach Spielstil kann ab dem zweiten Teil jeder von ihnen sterben. Und bei manchen kann man es nicht verhindern. Da man sich den wirklich interessanten Gesprächen viel Zeit widmet und ihre Entwicklung auch in verschiedene Bahnen lenken kann, nimmt einen ihr Tod so sehr mit wie der eines Seriendarstellers. Auch wenn viel geschossen wird, oft kann man Tote durch Überredungskunst vermeiden. Viele moralische Entscheidungen die man selber Treffen muss erhöhen die Indentifikation mit dem Charakter. Man entscheidet über das Schicksal von ganzen Spezies im Verlauf der Serie.

Und das unterscheidet solche Spiele von Shootern, die wegen ihrer Kritik Gewaltdarstellung öfter in die mediale Aufmerksamkeit gerückt werden. Aber es wird auch viel missverstanden. Vor allem Grand Theft Auto steht oft wegen vermeintlicher Verherrlichung von Sex, Drogen und Gewalt durch Leute, die scheinbar keine Ironie verstehen in der Kritik, dabei überzeichnen die Entwickler absichtlich stark, um besonders Zustände in der USA bloßzustellen.  Gerade der letzte Teil stellt einen Faustschlag in das Bild des „Amerikanischen Traumes“ dar: Ein Osteuropäischer Immigrant kommt an, will seine Kriegsvergangenheit abschütteln und mit einem neuen Leben zu Wohlstand gelangen und versinkt sofort wieder im Sumpf der Kriminalität. Videospiele haben sich weiterentwickelt: Heutzutage stecken Millionen in (Story-)Entwicklung, bekannte Schauspieler agieren als Synchronsprecher und stehen Modell für Charaktere (kurzes Beispiel? Martin Sheen, Seth Green, Freddie Prinze Jr., Carrie-Ann Moss) Motion-Capture wird verwendet, um Mimik und Gestik naturgetreu zu übernehmen, Soundtracks lassen sich mit Filmen messen. Inszenierungstechnisch lassen sich Videospiele von Spielfilmen und Serien nichts mehr vormachen. Durch das Wachsen der Branche und die technische Entwicklung kann mehr als nur die Illusion erzeugt werden, denn man selber steuert ein (zumeist) authentisches Geschehen, das viel mehr Faszination erzeugen kann als bloß tatenlos vor dem Bildschirm zu sitzen.

Und so stelle ich fest, dass Videospiele, die eine Geschichte tatsächlich erzählen und sie nicht nur als Rahmenhandlung für jede Menge Ballerei verwenden (nichts gegen ein Bisschen Ballerei), wo viel Wert auf Charakterentwicklung und nicht -zerstörung gelegt wird, Spieler berührt werden von den Geschehnissen im Spiel, da werden Videospiele zur Kunst und zum wertvollen Kulturgut. GTA IV lässt sich als „Action-Satire“ oder Mass Effect stellenweise als Drama kategorisieren, denn hinter den Schießereien steckt mehr Komplexität als viele Skeptiker sehen möchten. Um letzteres Beispiel hatte sich ein Hype entwickelt, denn viele Fans waren so emotional mit dem Plot und den Charakteren verwoben, dass sie die Fortsetzung kaum erwarten konnten. Und das machte das Franchise so erfolgreich, dass ironischerweise jetzt ein Film über den ersten Serienteil geplant wird, obwohl der niemals an das Spiel herankommen kann. Wie damals vom Stummschwarzweißfilm, haben sich die Videospiele ebenso dramatisch weiterentwickelt. Man sollte ihnen eine ebenso große Bedeutung wie anderem Kulturgut einräumen.

Von Casual Games halte ich im Übrigen fast gar nichts. Da kann man besser auf den Fußballplatz gehen.

RTL muss reagieren: Die Einschaltquoten für die Deppenshow „Deutschland sucht den Superstar“ gehen zurück, ernst werden die Sieger schon lange nicht mehr genommen und verschwinden in diverse Dschungelcamps, aus denen man sie nie wieder herauslassen möchte. Und das Vorführen von Debilen, auf dem der Fokus mittlerweile liegt, hilft auch nur bis zum Recall. Da kann auch Menderes nichts mehr retten.

Die Lösung? Mini Playback Show mit DSDSuperdepp verbinden. Kinder sind schließlich noch manipulierbarer als Assis und lassen sich schön inszenieren. Da heißt es dann: „Och, die ist ja süß. Kann zwar nicht singen, aber süß ist sie, jawohl!“ Und der Pädophile von drüben sieht es genauso. Zum Glück nimmt es noch keine Ausmaße wie in den USA an, wo Kindern mit gesundem Gewicht Diät auferlegt wird oder Grundschülerinnen zu Schönheitswettbewerben geschleppt werden. Zum Glück (oder leider?) fehlt die harte, aber meistens ehrliche Kritik von Bohlen. Schließlich kann man einem Kind nicht im Fernsehen sagen, dass es scheiße singe, ohne das Jugendamt auf den Plan zu rufen. Unehrliche Lobhymnen braucht man trotzdem nicht und schon gar nicht die Versicherung, dass man schönere Beine als Beyonce habe. Aber bei RTL weiß man ja, dass sie im Limbo die Niveau-Messlatte immer noch unterwandern könnten, wenn man sie im Erdkern verbuddelte.

Da bin ich doch ernsthaft am überlegen, ob ich meinen Wunsch, noch einmal 10 sein zu können, nicht revidiere angesichts dessen. Schließlich fängt das Kinderprogramm ja schon mit „Mein Baby“ an (oder fing, ich glaube das läuft gar nicht mehr). Lasst die Kinder doch Kinder sein, sonst verliert „noch einmal Kind sein“ vollkommen seine Bedeutung.

Und zum Schluss möchte ich meine Freude über den Misserfolg des neuen Formats äußern. Ich gehe lieber ins Kino als mir so eine moralisch zweifelhafte Show anzutun. Empfehlung: Iron Sky, in dem Film steckt mehr als Nazis von der dunklen Seite des Mondes versprechen😉

Nachtrag hierzu.

Ich bin vorhin so im Schreibfluss aufgegangen, dass ich vergaß, den Auslöser zu erwähnen. Wie bereits angedeutet, es gibt viele Themen über die ich mich auslassen könnte. So viele. Zu viele. Da sieht man gar nicht, was einem am meisten auf den Senkel geht.

Jedenfalls fiel mir vorhin auf dem Weg zur Arbeit noch ein prima Beispiel ein: Palmöl. Ökologisch sehr heikel. Momentan muss in Indonesien der Tripa-Regenwald dran glauben. Der ist nicht nur einfach ein Regenwald, sondern gleichzeitig ein Torfsumpf, ein massiver CO2-Speicher, der nun durch Brandrodung freigesetzt wird. Außerdem leben dort die gefährdeten Sumatra-Orang-Utans. Trägt nicht unbedingt zu ihrer Verbreitung bei, oder? Und das mit dem Segen der Regionalregierung.

Palmöl findet nicht nur als Lebensmittel Verwendung, sondern auch in Kosmetika und als alternativer Kraftstoff. Es mag zwar umweltschonender sein als Benzin oder Diesel, aber ökologisch viel teurer erkauft. Wer also dafür sorgen möchte, dass diese Entwicklung nicht weitergeht, sollte sein Konsumverhalten anpassen (Nachfrage führt zum Angebot sprich Ausweitung der Produktion), mal hinten auf das Etikett seines Kosmetikproduktes gucken und eher mal etwas kaufen, das kein Palmöl enthält.

Es bringt rein gar nichts, dagegen zu Demonstrieren und dann weiter zu kaufen wie bisher.

Wenn ich meine überregionale Tageszeitung (ich will hier ja keine Werbung machen😉 ) aufschlage, dann kann ich nach ein paar Seiten nur den Kopf schütteln. Ja, überall Probleme und schlechte Nachrichten, überall Aktivismuspotenzial, kaum irgendwo Lösungen in Sicht. Kleiner Auszug: Syrische und norwegische Massenmörder, im Süden Lybiens gehen wieder Araber auf Schwarzafrikaner und umgekehrt los (Darfur lässt grüßen), Südsudan kämpft mit dem Sudan um Ölreserven, Israelis und Iraner gehen sich bald an die Gurgel, in Afrika verhungern Kinder aufgrund von Landraub durch Industrienationen und dem Hunger aufstrebender Schwellenländer (riecht nach Neo-Kolonialismus), Deutschland verfehlt seine eigenen Klimaziele, die vor 10 Jahren gesteckt wurden, westliche Staats- und Wirtschaftssystem stehen auf der Kippe und, und, und.

Wollte der durchschnittliche Bürger gegen all das etwas unternehmen, müsste er ein Vollzeit-Demonstrant werden und jeden Cent an Hilfsorganisationen spenden. Die Scheiße wächst einem Einzelnen über den Kopf. Und so wird es schwierig, den Überblick zu bewahren und einen Ansatzpunkt zu finden. So bleibt Protest oft vielen kleineren „spezialisierten“ Aktivistengruppen vorbehalten. Daran kann auch die Facebook-Vernetzung nichts ändern. Ohne große Kampagnen bleiben nämlich die meisten Protestaufrufe ungehört und/oder lokal begrenzt. Und selbst die großen Kampagnen wie „Kony 2012“ oder „Stop ACTA“ treiben nur einen Bruchteil der Leute, die auf Facebook „Like“ gedrückt und zugesagt haben, auf die Straße. Die Anti-ACTA-Initiative zeigte allerdings Wirkung. Ich war selber auf einer Demo (zu Kony 2012 gab es in der Nähe auch eine, aber die Initiative halte ich für Unfug), aber wie schon gesagt, man kann kein Vollzeit-Demonstrant sein. Tragischerweise erregen die Initiativen, die am meisten Geld ins Werbebudget statt in Hilfsprojekte und am meisten auf die Tränendrüse drücken anstatt die Faktentrommel zu rühren die größte mediale Aufmerksamkeit. Viele bleiben dadurch unter dem Radar.

Das kann also nicht die Lösung sein. Allerdings fällt mir persönlich auch keine zufriedenstellende ein. Die Leute, die die Halbherzigkeit und Scheinheiligkeit kritisieren (so wie ich, haha) unternehmen oft genau so wenig. Aber zumindest sind sie ehrlich. Was uns betrifft, müssen wir die Dinge mehr hinterfragen, wie zum Beispiel: „Was macht die Deutsche Bank mit meinen Anlagen?“ – Lebensmittelspekulation, die zu Landraub führt. Wenn westliche Unternehmen in fremden Ländern negativen Einfluss ausüben, nicht länger unterstützen.

Viel mehr als das uns hin und wieder auf eine Demo zu gehen können wir kaum machen.

Die Piraten. Ja, keine Partei sorgt momentan für so einen Wirbel in den Medien. Und dadurch werden sie noch populärer. Und das Establishment, sprich die in den Parlamenten sitzenden (oder im Falle der FDP eher ) wundert sich: „Die sind ja eigentlich ganz doof!“

Doch glücklicherweise zeigt sich hier, dass wir doch noch in einer Demokratie leben. Nicht die Politiker haben die Macht, sondern die Wähler, von denen sich viele von den alten Parteien nicht mehr angesprochen fühlen. Exemplarisch dafür steht die Wahlbeteiligung auf sämtlichen Regierungsebenen.

Klar, viele wählen die Piraten nun auch aus Protest, aber das ist immer noch besser, als gar nicht zu wählen, denn es zeigt den Leuten im Parlament, dass nicht unwesentliche Teile der Bevölkerung mit ihrer Politik nicht einverstanden sind. Es scheinen viele von ihnen vergessen zu haben, dass die Zustimmung der Bevölkerung, das Diktat der Massen immer noch Grundvoraussetzung für eine Demokratie ist. Ich hoffe bloß, dass die Piraten ihren Idealismus nicht zu schnell gegen Machthunger und Korruption eintauschen, denn dann müssen wir wieder eine Generation abwarten…

…ist die Hölle. Als ob es wochenlang Nichts mehr zu Essen gäbe. Momentan schiebe ich Sonderschichten. Dazu sind noch Osterferien für meine Freunde bzw. Schulende, also ist auch privat einiges los. Ergo komme ich nicht wirklich zum Schreiben. Wird sich hoffentlich nach Ostern beruhigen und dann kommt wieder regelmäßiger neuer Inhalt.

In diesem Sinne, bis dann.

Heute las ich, dass 26 US-amerikanische Bundesstaaten gegen die Gesundheitsreform von dem Supreme Court, dem obersten Gerichtshof, klagen wollen, insbesondere gegen das Gesetz, das rund 30 Millionen US-Bürger (ca. 10%) zwingt, eine Krankenversicherung bis Januar 2014 abzuschließen. Begründet wird dies mit der vermeintlichen Kompetenzüberschreitung des Kongresses. Aber das kranke Gesundheitssystem ist kein Problem, das nur in einigen Staaten vorherrscht, sondern ein nationales. Und so stemmen sich die konservativen Republikaner gegen dieses böse sozialistische Schreckgespenst namens Pflicht. Selbstverantwortung. In Deutschland zahlt sogar der Staat die Krankenversorgung für jene, die es nicht können. In den USA heißt es: Bist du nicht versichert, zahlst du bar, oder du fliegst aus dem Krankenhaus. Sind wir deshalb kein demokratisches, marktwirtschaftliches Land? Sind wir etwa Sozialisten? Die Vorstellungen der Republikaner sind abstrus. Ein über alle Maße aufgeblähtes Heer führen die USA, aber für das Gesundheitssystem ist kein Geld da. Mehr Soldaten als Indien, nur China verfügt über ein größeres Heer. Der Föderalismus, also die Stärkung einer dezentralen Staatsstruktur, der ja in seiner hier abgeschwächten Form schon massive Probleme mit der Bildung aufwirft, geht dort noch um einiges weiter. Bundesgesetze haben zwar einen höheren Wert als Landesgesetze, geraten aber leichter unter Beschuss als hier. In Deutschland werden Bundesgesetze für die Länder häufig sehnlichst erwünscht – wie zum Beispiel bei der Bildung.

Ironischerweise beruhen die Staatssysteme und Verfassungen von Ländern wie Deutschland, Japan oder Italien auf amerikanischen Vorstellungen. Welche Gemeinsamkeit weisen diese Länder auf? Genau: Ehemalige Achsenmächte, Verlierer des Zweiten Weltkrieges. Verloren gegen die USA unter Präsident Franklin Delano Roosevelt. Er definierte „Vier Freiheiten“, dessen dritte lautet:

„Die dritte Freiheit ist Freiheit von Not. Das bedeutet, gesehen vom Gesichtspunkt der Welt, wirtschaftliche Verständigung, die für jede Nation ein gesundes, friedliches Leben gewährleistet – überall in der Welt.“ (Wikipedia)

Ich musste schmunzeln als ich das Wort „gesund“ las. Er trieb die Gründung der Vereinten Nationen voran und erarbeitete schon während des Krieges seine Nachkriegsordnung, die er auf die Welt anwenden wollte. Seine Pläne von einer gerechteren Zukunft konnte er in den USA selber nicht mehr umsetzen, da er nicht mal einen Monat vor Kriegsende in Europa starb. Seine Politik beeinflusste aber maßgeblich die demokratische Neuaufstellung der autokratischen Verlierer.

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